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![]() Willi Tell von Claus-Hinrich Müller (frei nach Schiller) ![]() *********************************** Das Original von Schiller In seinem letzten Stück stellt Schiller den Freiheitskampf eines unterdrückten Volkes dar. Der Burgvogt Gessler als Stellvertreter des Kaisers von Habsburg soll die Macht des Kaisers und damit die Handelswege nach Italien sichern. Wilhelm Tell übernimmt die Rettung des Schweizer Bergbauern Baumgarten, der einen Burgvogt erschlagen hat, weil dieser Baumgartens Frau vergewaltigen wollte. Als Rache wird die Hütte des Bauern niedergebrannt. Ein weiterer Akt kaiserlicher Willkür ist die Aufstellung der Stange mit einem Hut, den jeder Vorübergehende grüßen muss. In einer nächtlichen Zusammenkunft am Rütli schwören sich die Vertreter der Kantone Schwyz, Uri und Unterwalden Treue. Der Streit spitzt sich zu, als Tell und sein Sohn Walter festgenommen werden, weil sie den Hut nicht gegrüßt haben. Gessler zwingt Tell, einen Apfel vom Kopf seines Sohnes zu schießen, was diesem auch gelingt. Nachdem deutlich geworden ist, dass tell mit einem zweiten Pfeil Gessler erschossen hätte, wenn er seinen Sohn getroffen hätte, wird er erneut verhaftet. Bei einem Unwetter gelingt ihm aber die Flucht und in der hohlen Gasse in der Nähe von Küßnacht lauert Tell Gessler auf und erschießt ihn aus dem Hinterhalt. Dies ist das Signal zum Aufstand in der ganzen Schweiz. Die Persiflage von Claus-Hinrich Müller Der Originalstoff wird durch Spott in ein anderes Licht gerückt. Die Theater-AG in Bad Laer soll den Klassiker Wilhelm Tell einüben. Sie merkt aber bald, dass weder sie selbst, noch das Publikum verstehen, um was es eigentlich geht. So beschließen sie daraufhin, das Stück zu entstauben und ein wenig Pepp hineinzubringen. Personen werden verändert (Männerrollen mit Frauen besetzt), die Sprache zum Teil entrümpelt (... sprich du doch nicht auch noch antiquiert...), Filmszenen nachgespielt, Rückblenden eingebaut, das Publikum aktiviert usw. Die eigentliche Geschichte aber bleibt erhalten. Lediglich die Motive einiger Personen werden näher unter die Lupe genommen: Handelte Gessler tatsächlich wie ein Tyrann? Wurde Tell in eine Rolle gedrängt? Allein der Regisseur hält am Original fest... Über Claus-Hinrich Müller Claus-Hinrich Müller ist Deutschlehrer an einem Gymnasium und er hat die theaterbörse ins Leben gerufen. Er selbst schreibt über sein Stück: (Zitat)Der Tell ist weniger ein Schauspiel fürs Theater als vielmehr ein schwerer Schicksalsschlag für die Schüler der 8. Klasse, zu deren Folter das Stück heute vorwiegend verwendet wird, habe ich einmal gelesen. Nun ja. Aus heiterem Himmel stürzt ein Schweizer Bauer auf die Bühne und vertieft unser Bild von der rechten Schweizer Art: Seine Frau hat sich ein bisschen zu lange mit dem österreichischen Landvogt unterhalten. Dem hat der Bauer den Schädel mit der Axt gespalten und will nun über den See fliehen. Ein Fischer soll ihn in Sicherheit bringen, hat aber keine Lust dazu, weil sich jener heitere Himmel zu einem bösen Gewitter verdunkelt hat und ein echter Schweizer dann um sein Boot fürchtet... Schon als Schüler fand ich Schillers Wilhelm Tell gelinde gesagt merkwürdig. Als Deutschlehrer an einem Gymnasium fand ich mich dann irgendwann vor dem Problem, genau diesen Tell in der 8. Klasse behandeln zu müssen. Mein alter Widerspruchs- und Satiregeist war nur schwer zu zügeln, aber die Schüler stellten genau die Fragen, die nicht n der Literaturgeschichte vorgesehen sind, ja, die unter ernsthaften Hochliteraturfans geradezu verpönt sind und die mich eigentlich auch beschäftigten: Warum schießt der Tell denn überhaupt auf den Apfel? Ist Tell nicht derjenige, der den Aufstandsplan der Schweizer durch Disziplinlosigkeit durcheinander bringt? Wie kommt ausgerechnet der doch eher harmlos daherkommende Gessler in den Ruf des Schurken? Usw. Max Frischs Wilhelm Tell für die Schule bürstet hier schon kräftig gegen den Strich und lässt viele Fragen in einem anderen Licht erscheinen. Da ich seit über 20 Jahren auch Theatergruppen an meiner Schule leite, reifte der Plan, einmal eine Tellbearbeitung auf die Bühne zu bringen. Während dieser Plan mangels Zeit immer wieder herausgeschoben wurde, kamen viele Ideen aus anderen Bereichen hinzu. (Wenn Tell Kult ist, dann kann man auch viele andere Kulte einbauen: Und schon waren Casablanca und Vom Winde verweht untergebracht.) Mit Theaterformen spielen, das Publikum einbauen... So kam eins zum anderen. Und endlich fand sich auch eine Gruppe, die zusätzlich motivierte, das Stück endlich aufzuschreiben. Mitte der 90er Jahre hat Willi Tell Premiere am Gymnasium am Silberkamp in Peine gehabt. Die Spieler und das Publikum hatten viel Spaß, die Deutschlehrer haben die Nase gerümpft, weil hier ein Sakrileg begangen wurde: So etwas darf man nicht so verändern. Schließlich ist es ein Klassiker. (Zitatende) Wir sind der Meinung, dass das Publikum auch in Bad Laer, aller naserümpfenden Deutschlehrer zum Trotz, viel Spaß haben wird und wir danken Claus-Hinrich Müller für die Erlaubnis, seine Geschichte hier veröffentlichen zu dürfen. ![]() ![]() ![]()
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Regie Franz Stockmann
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